Psychiatrie Praxis

kognitive Beschwerden oder schon Demenz?

Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme, Wortfindungsstörungen — frühzeitig abklären lohnt sich. Nicht jede Veränderung ist eine Demenz, und wenn doch: vieles ist behandelbar.

Wenn das Gedächtnis nicht mehr mitspielt

Es sind oft kleine Dinge, die Patientinnen, Patienten oder ihre Angehörigen zu uns führen: Namen, die nicht mehr einfallen. Termine, die vergessen werden. Geschichten, die zwei-, dreimal erzählt werden. Wege, die plötzlich verwirren. Manchmal Wortfindungsprobleme im Gespräch.

Solche Veränderungen können vieles bedeuten — und nicht jede ist der Beginn einer Demenz. Aber: Wer früh abklärt, hat mehr Möglichkeiten als wer wartet.

Was hinter den Beschwerden stecken kann

Vergesslichkeit ist ein Symptom, keine Diagnose. Sie kann viele Ursachen haben:

  • eine beginnende Demenz (z. B. Alzheimer-, vaskuläre, gemischte oder seltener Lewy-Body- bzw. fronto-temporale Demenz),
  • eine Depression, die kognitiv ähnlich aussehen kann („Pseudodemenz") — und gut behandelbar ist,
  • Schlafstörungen, Erschöpfung, chronischer Stress — mit kognitiven Symptomen als Folge,
  • Stoffwechsel- und Mangelzustände (Schilddrüse, Vitamin B12, Folsäure, Eisenstoffwechsel),
  • Nebenwirkungen bestimmter Medikamente,
  • noch andere internistische oder neurologische Ursachen.

Aufgabe der fachärztlichen Diagnostik ist, diese Möglichkeiten sauber gegeneinander abzugrenzen — bevor eine Behandlung beginnt.

Warum frühzeitige Abklärung sinnvoll ist

  • Behandelbare Ursachen werden gefunden. Eine Depression, ein Vitaminmangel, eine ungünstige Medikamentenkombination — all das kann das Gedächtnis beeinträchtigen und ist veränderbar.
  • Bei tatsächlicher Demenz gilt: Je früher die Diagnose, desto mehr Möglichkeiten. Medikamentöse Therapien wirken am besten in frühen Stadien. Die Zeit, gemeinsam mit Angehörigen wichtige Entscheidungen zu treffen (Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Lebenssituation), ist dann noch da.
  • Klarheit entlastet. Viele Betroffene leben mit der Angst, dass „etwas Schlimmes" dahinterstecken könnte. Eine Abklärung bringt Boden unter die Füße — auch wenn das Ergebnis ernst ist.

Ablauf der Diagnostik

  1. Anamnese-Gespräch — wir hören Ihnen zu, fragen gezielt nach Verlauf, Lebenssituation, Vorerkrankungen und Medikamenten. Sehr hilfreich ist es, wenn eine vertraute Person dabei sein kann.
  2. Strukturierte kognitive Untersuchung — etablierte Testverfahren zur Erfassung von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und Orientierung.
  3. Erweiterte Diagnostik — bei Bedarf veranlassen wir Labor, bildgebende Untersuchungen (CT, MRT), Lumbalpunktion.
  4. Auswertungsgespräch — Sie erhalten unsere Einschätzung, eine Erklärung der Befunde und einen klaren Plan für die nächsten Schritte. Auf Wunsch gemeinsam mit Angehörigen.

Behandlung und Begleitung

Je nach Diagnose stehen verschiedene Wege offen:

  • Bei behandelbaren Ursachen behandeln wir gezielt und überprüfen den kognitiven Verlauf.
  • Bei demenziellen Erkrankungen gibt es medikamentöse Therapien, die Verlauf und Lebensqualität positiv beeinflussen können. Genauso wichtig: nicht-medikamentöse Begleitung, klare Tagesstruktur, Anpassung des Wohnumfelds.
    Begleitung der Angehörigen Wer einen Menschen mit Demenz begleitet, trägt eine erhebliche Last. Wir nehmen uns Zeit für Beratung und planen mit Ihnen einen gemeinsamen Weg.

Vorsorgevollmacht: Beratung und ärztliche Dokumentation

Eine Vorsorgevollmacht ist nur dann rechtssicher, wenn die unterzeichnende Person zum Zeitpunkt der Unterschrift geschäftsfähig ist — also versteht, worüber sie verfügt und welche Folgen das hat. Bei beginnenden kognitiven Einschränkungen kann genau diese Frage später von Banken, Notaren oder Behörden infrage gestellt werden — manchmal mit der Folge, dass eine bestehende Vollmacht nicht anerkannt wird und es zu einer gesetzlichen Betreuung kommt.

Als privatärztliche Leistung (IGeL) bieten wir:

  • Beratung zu Sinn, Inhalt und richtigem Zeitpunkt einer Vorsorgevollmacht,
    ärztliche Untersuchung der Geschäftsfähigkeit im Hinblick auf die Vorsorgevollmacht,
  • schriftliche fachärztliche Bescheinigung zum Zeitpunkt der Untersuchung — zur Vorlage bei Notar, Bank oder Behörde, als Anlage zur Vollmachtsurkunde.

So sichern Sie sich und Ihre Angehörigen frühzeitig ab — bevor entscheidende Fragen nicht mehr selbst beantwortet werden können.

Wann sollten Sie einen Termin vereinbaren?

  • Wenn Sie selbst bemerken, dass Sie sich häufiger Dinge nicht merken können, die früher selbstverständlich waren.
  • Wenn Angehörige Veränderungen bei Ihnen ansprechen.
  • Wenn Sie als Angehöriger oder Angehörige unsicher sind, ob das, was Sie beobachten, ärztlich abgeklärt werden sollte.
  • Wenn Sie eine zweite Meinung zu einer bereits gestellten Diagnose wünschen.

Lieber einmal zu früh als einmal zu spät. Eine erste Einschätzung kostet wenig Zeit — und gibt Sicherheit.

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  034632 - 911103